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September 15, 2026

Wandel im Währungssystem: Eine zweite Inflationswelle und Anleiherenditen von 5 %

Der Wandel von einer erwarteten geldpolitischen Lockerung hin zur Gefahr einer weiteren Straffung verändert die Rahmenbedingungen für den Markt für digitale Vermögenswerte. Die Kombination aus teurerem Öl, ungünstigen Inflationsdaten und steigenden US-Anleiherenditen schafft für Bitcoin ein Umfeld, wie es seit Ende 2023 nicht mehr vorgekommen ist.


Von der erwarteten Lockerung zur Gefahr einer Inflationswelle


Die Markterwartungen hinsichtlich eines baldigen Zuflusses neuer Liquidität haben innerhalb weniger Tage einen erheblichen Rückschlag erlitten. Anfang September gingen die Marktszenarien noch davon aus, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen unverändert lassen und schrittweise den Weg für Zinssenkungen ebnen würde. Die Veröffentlichung der jüngsten makroökonomischen Daten hat diese Hypothese jedoch erheblich untergraben.


Die Verbraucherpreisinflation (VPI) stieg im August gegenüber dem Vormonat um 0,4 % und blieb im Jahresvergleich bei 3,4 %. Ein besonderes Warnsignal ging von der Kerninflation (Core-CPI) aus, die im Monatsvergleich um 0,3 % stieg und damit über den Erwartungen der Analysten lag. Der Druck in der Produktionskette wurde auch durch den Erzeugerpreisindex (PPI) bestätigt, der im Jahresvergleich von 4,8 % im Juli auf 5,4 % stieg.


Die Situation wurde durch einen Energieschock weiter verschärft – die Brent-Rohölpreise erreichten aufgrund geopolitischer Spannungen und Einschränkungen auf wichtigen Seewegen 107 bis 108 US-Dollar pro Barrel, während der US-WTI-Preis 103 US-Dollar überstieg.


Ein florierender Arbeitsmarkt liefert den Zentralbankern ein weiteres Argument für die Beibehaltung eines straffen Kurses. Die Arbeitsmarktdaten für den August zeigten die Schaffung von 162.000 neuen Arbeitsplätzen bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 %. Eine starke Wirtschaft gibt der Fed daher Spielraum für eine Straffung der Geldpolitik bei einem relativ geringeren Risiko, unmittelbar eine Rezession auszulösen.


Neubewertung der Markterwartungen und eine Wende an der Wall Street


Die deutliche Verschiebung der makroökonomischen Indikatoren löste eine unmittelbare Reaktion der Finanzinstitute und eine umfassende Neubewertung der Marktpreise aus. Die vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung im September stieg von zuvor ausgeglichenen Werten auf bis zu 86 % bis 87 %.

Eine erwartete Anhebung um 25 Basispunkte würde den Leitzins der Fed auf einen Bereich von 3,75 % bis 4,00 % anheben, was eine Wiederaufnahme des Zinserhöhungszyklus bedeuten würde. Große Investmenthäuser wie Goldman Sachs änderten ihr Basisszenario zugunsten einer Zinserhöhung im September, während Analysten von JPMorgan vor der Möglichkeit von zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende warnen. Für den Markt für Krypto-Assets bedeutet dies einen Wechsel von einem Umfeld erwarteter Liquiditätszuflüsse hin zu einer Phase anhaltend relativ teurer Kapitalkosten.


Die risikofreie Renditefalle


Für Bitcoin und den breiteren Sektor der digitalen Vermögenswerte ist die größte Bedrohung nicht die Zinserhöhung um 0,25 % an sich, sondern die mathematische Berechnung dessen, was als risikofreie Rendite gilt. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen bewegte sich knapp unterhalb der wichtigen psychologischen Schwelle von 5 %.


In einem Umfeld, in dem eine US-Staatsanleihe eine jährliche Rendite von fast 5 % bietet, steigen die Opportunitätskosten für das Halten unverzinslicher Vermögenswerte erheblich. Bitcoin generiert keinen garantierten Cashflow, was bedeutet, dass steigende Anleiherenditen die Attraktivität des Anleihemarktes im Vergleich zu Vermögenswerten ohne Zinserträge erhöhen könnten.


Reaktion der Krypto-Vermögenswerte und wichtige Niveaus


Die Auswirkungen des makroökonomischen Drucks schlugen sich schnell in der Kursentwicklung der Krypto-Vermögenswerte nieder. Bitcoin fiel unter 77.000 USD und verlor die Unterstützung beim exponentiellen gleitenden 50-Wochen-Durchschnitt (EMA) bei 77.374 USD. Auch US-amerikanische Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten erhöhte Kapitalabflüsse.


Der Altcoin-Markt reagierte noch empfindlicher, wobei der CoinDesk-20-Index bei den meisten Projekten stärkere Rückgänge verzeichnete. Laut technischen Analysten könnte die Unfähigkeit von Bitcoin, sich über 81.700 US-Dollar zu halten, Raum für eine tiefere Korrektur in Richtung des wichtigen Unterstützungsniveaus um 70.000 US-Dollar schaffen.


Eine neue makroökonomische Bewährungsprobe für digitale Vermögenswerte


Eine Phase erhöhter Volatilität geht somit mit einer klaren makroökonomischen Botschaft einher. Solange die Renditen von Staatsanleihen nicht sinken und der Inflationsdruck nicht nachlässt, könnte der Markt für Krypto-Assets weiterhin unter erhöhtem Druck stehen. Der entscheidende Faktor für den kurzfristigen Ausblick bleibt die bevorstehende Entscheidung der Fed und die damit einhergehenden Aussagen zur geldpolitischen Perspektive für die kommenden Quartale.


Warnung: Der Inhalt dieses Artikels dient ausschließlich zu Informations- und Analysezwecken und stellt keine Anlageberatung, keine finanzielle Empfehlung und keinen Vorschlag zum Kauf oder Verkauf von digitalen Vermögenswerten oder Wertpapieren dar.

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Tomáš Bára

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